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    Berlin: Musikalische Bildung geht nur mit Präsenz

    Berlin: Musikalische Bildung geht nur mit Präsenz

    von Adriana Balboa

    Angemessene Honorare, bessere soziale Absicherung, mehr Festanstellungen und ein Tarifvertrag für Honorarlehrkräfte sind Forderungen, für die wir von der ver.di-Fachgruppe Musik in Berlin uns inzwischen seit fast einem Jahrzehnt stark machen. Unser Engagement lohnt sich mit mehr Festanstellungen und Honorarerhöhungen. Nicht zuletzt ist seit dem 10. Mai 2021 Präsenzunterricht an den Musikschulen wieder möglich.

    Fachgruppe Musik der ver.di Berlin/Brandenburg C. von Polentz / transitfoto Berlin, 9. Mai 2021  – 4

    Über 100 Instrumentalisten und Vokalisten der Berliner Musikschulen kamen am 9. Mai 2021 zur Aktion WIR.SIND.MUSIK. zum Berliner Kulturforum. Sie forderten Öffnungen im Musikleben – auch für Orchester, Chöre und Ensembles, die seit über einem Jahr nicht mehr in Präsenz proben dürfen. Erprobte, sichere Konzepte lägen bereits vor, die nur angewendet werden müssten.


    Die Probleme des Unterrichts an den Musikschulen beschäftigten in der letzten Legislaturperiode mehrfach den Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Energische und konzertierte Musikschullehrerproteste und Lobbyarbeit zeigten bei der Landespolitik Wirkung: Inzwischen ist der Anteil der Festanstellungen an Musikschulen von ursprünglich unter 10 inzwischen auf 20 bis 25 Prozent gestiegen. Die Honorare der Freien sind ab August 2020 um 15 bis 20 Prozent erhöht worden. Für Unterrichtstunden, die pandemiebedingt nicht stattfinden können, wird ein Ausfallhonorar gezahlt.

    Aber auch für die Lösung akuter Probleme, wie die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts an den Musikschulen setzen wir uns ein: Die Vorsitzende unseres ver.di-Fachgruppenvorstandes Annette Breitsprecher und die Landes-Lehrervertretung wandten sich am 10. März 2021 in einem gemeinsamen Brief an Kultursenator Klaus Lederer. Bei der Anhörung im Kulturausschuss des Abgeordnetenhaues am 26. April 2021 lieferte Annette Breitsprecher eine überzeugende und klare Begründung für die Notwendigkeit von Präsenzunterricht. Das kann in der Videoaufzeichnung (ab Minute 58) der Ausschusssitzung und im Wortprotokoll (ab Seite 9) [pdf-Datei, 448 KB] nachvollzogen werden.

    Annette Breitsprecher würdigt den Berliner »Paradigmenwechsel« weg vom Raubbau an der Substanz der Musikschulen dahin, sie als Stätten kultureller Bildung ernst zu nehmen. Sie forderte energisch die sofortige Rückkehr zum Präsenzunterricht und eine »Synchronisierung mit den allgemeinbildenden Schulen« in Berlin. Zwar hätte die notgedrungene vielfältige Nutzung digitaler Formate im Musikunterricht »Kollateralgewinne« gebracht, in dem sie Möglichkeiten für eine Überbrückung von Schließungszeiten schuf. Doch tauge Onlineunterricht »nicht für die Langstrecke«. Gemeinsames Musizieren sei unerlässlich auch angesichts nach vier Monaten einsetzender Motivationsverluste bei den Schülerinnen und Schülern.

    Fachgruppe Musik der ver.di Berlin/Brandenburg C. von Polentz / transitfoto Berlin, 9. Mai 2021  – 2

    17 Alphörner bliesen bei WIR.SIND.MUSIK. den eigens dazu komponierten Alphorn-Corona-Blues

    Der Vorstand der ver.di-Fachgruppe Musik hatte sich auch bereits zuvor mit einem Appell an die zuständigen Landespolitiker gewandt, selbstständige und angestellte Musikpädagoginnen und -pädagogen bei den Impfentscheidungen anderen Lehrkräften gleichzustellen.

    Umso stärker müssen wir uns jetzt dafür einsetzen, dass unsere Forderungen und die hart erkämpften Erfolge angesichts leerer Bezirkskassen nicht auf der Strecke bleiben. Solange die Musikschulen nicht zur Pflichtaufgabe der Kommunen gehören, ist ein Kaputtsparen zu befürchten. In diesem Sinne plädieren wir für verbindliche gesetzliche Regelungen: auf Landesebene für ein Kulturfördergesetz für Berlin und auf Bundesebene für die Verankerung von Kunst und Kultur als Grundrecht im Grundgesetz.

    Aber es sind immer noch zu wenige Kolleginnen und Kollegen, die sich gewerkschaftlich organisieren und tatkräftig mitarbeiten. Mit dem derzeitigen Organisationsgrad werden wir lang ersehnte Ziele wie den Abschluss eines Tarifvertrags für Honorarlehrkräfte nicht durchsetzen können. Zusammen können wir noch viel mehr erreichen! Deshalb unsere Aufforderung: Schreibe einfach eine Mail an ver.di-Fachbereichsleiter Andreas Köhn und gestalte unsere gemeinsame Zukunft mit!

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    Ein Beitrag aus:

    Fachbereich Medien, Kunst und Industrie der ver.di
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    Der Artikel wurde von Adriana Balboa, stellvertretende Vorsitzende der ver.di-Fachgruppe Musik Berlin/Brandenburg, für kunst+kultur online geschrieben.