Ratgeber

    Kapitel 1

    Kapitel 1

    Aktualisierung Januar 2018

    1 | MUSIKSCHULLEHRKRÄFTE | von fest bis prekär

    Neue Umfrage der Fachgruppe Musik zur Situation der Musikschullehrkräfte

    Zum dritten Mal nach 2008 und 2012 hat die Fachgruppe Musik in ver.di im zweiten Halbjahr 2017 eine bundesweite Umfrage zur Einkommenssituation und zu den Arbeitsbedingungen von fest- und teilzeitangestellten sowie freien Musikschullehrkräften durchgeführt, an der sich 4.216 Lehrkräfte mit
    5.409 Beschäftigungsverhältnissen beteiligt haben. Danach ist die Zahl der prekären Beschäftigungsverhältnisse erneut gestiegen, das Einkommen liegt bei vielen unterhalb der Armutsgrenze. Die Gründe liegen hauptsächlich in der ungebremsten Umwandlung fester Stellen in Honorarverhältnisse mit zu geringen Stundendeputaten und Honorarsätzen. Die zentralen Ergebnisse:

    Eine feste Beschäftigung in einer Vollzeitstelle ist mittlerweile die absolute Ausnahme: Im Bundesdurchschnitt haben nur noch 8,1 Prozent der Lehrkräfte eine Vollzeitstelle. Gut 28 Prozent sind mit einer Teilzeitstelle angestellt und fast 64 Prozent der Lehrkräfte werden als freie Mitarbeiter beschäftigt (2012: 58 / 2008:
    45 Prozent), während sich der überwiegende Teil der Honorarkräfte (82,6 Prozent) eine Festanstellung wünscht. Ein zunehmendes Problem ist die Befristung von Honorarverträgen, besonders in den neuen Bundesländern.

    Das Jahreseinkommen der vielen freien Lehrkräfte ist mit bundesweit durchschnittlich 13.360 Euro brutto gegenüber 12.404 Euro im Jahr 2012 zwar in etwa wieder auf dem Niveau von 2008 (13.330 Euro), doch gleicht das noch nicht einmal die Inflationsrate aus. Damit erreichen die hoch qualifizierten Lehrkräfte der deutschen Musikschulen im Durchschnitt gerade einmal ein monatliches Bruttoeinkommen von 1.113 Euro.

    Die genauen Ergebnisse der Umfrage und eine detaillierte Auswertung sowie eine Pressemitteilung und Berichte in den Medien hierzu gibt es auf dieser Internetseite

    »Stuttgarter Appell« des VdM: »Anteil angestellter Lehrkräfte erhöhen«

    In einem »Stuttgarter Appell« hat der Verband deutscher Musikschulen (VdM) die Träger seiner Mitgliedsschulen aufgefordert, »den Anteil angestellter Lehrkräfte kontinuierlich zu erhöhen«. Nur über qualitätssichernde Rahmenbedingungen für öffentliche Musikschulen, deren Grundlage die Perspektive einer Festanstellung ist, bleibe das Berufsbild Musikschulpädagoge auch für zukünftige Studienbewerber attraktiv, heißt es in dem von der VdM-Bundesversammlung am 18. Mai 2017 in Stuttgart verabschiedeten Appell. Für Musikschulen, die das Ziel einer Vollausstattung mit angestellten Lehrkräften noch nicht erreicht haben, empfiehlt der VdM »eine stufenweise, in Tempo und Grad an den jeweiligen Rahmenbedingungen orientierte Erhöhung des durch angestellte Lehrkräfte erteilten Unterrichts.«

    Als Grund nennt der VdM unter anderem, dass die zunächst nur als Ergänzung des im Kern durch angestellte Lehrkräfte gesicherten Unterrichtsangebotes eingesetzte »freie Mitarbeit« so zugenommen habe, dass die geforderte »Qualität musikalischer Bildung in der Substanz gefährdet« sei. Außerdem hätten die Statusfeststellungsprüfungen der Deutschen Rentenversicherungen für die Träger öffentlicher Musikschulen das Risiko erhöht, Honorarkräfte einzustellen und/oder für diese nachzahlen zu müssen (zusätzlich auch für den Arbeitnehmeranteil). 

    »Stuttgarter Appell«, (pdf-Datei, 188 KB) 

    Jahreseinkommen der freien Musikschullehrkräfte bei 12.239 Euro

    Die 930 öffentlich geförderten Musikschulen in Deutschland hatten 2014 etwa 1,5 Millionen Schüler, die fast 60.000 Stunden Einzel- und Gruppenunterricht erhalten haben. Zusätzlich werden aber auch noch in großer Zahl private Musikschulen besucht sowie Einzelstunden bei selbstständigen Musikpädagogen genommen.

    Ende 2014 waren bei der KSK rund 26.000 (darunter 13.800 weibliche) Musikpädagogen versichert. Das der KSK gemeldete Jahreseinkommen der selbstständigen Musikpädagogen liegt im Schnitt bei 12.239 Euro (Musikpädagoginnen: 11.172 Euro)

    Von den privaten Musikschulen im Jahr 2014 wurden Gesamterträge von 235 Millionen Euro erzielt. Fast 90 Prozent stammen aus den Schul-, Kurs-, bzw. Unterrichtsgebühren. Da die meisten privaten Musikschulen ihre Pädagogen auf Honorarbasis bezahlen, entfällt der größte Kostenblock auf die Vergütungen für freie Mitarbeiter (66 Prozent), gefolgt von den Personalkosten für festangestelltes Personal (11 Prozent).
    Diese und viele weitere Zahlen enthält die Studie »Musikwirtschaft in Deutschland« (pdf-Datei, 2.02 MB), die im September 2015 veröffentlicht wurde. Sie enthält auch weitere Daten zur gesamten Musikwirtschaft.