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    Dortmund: 55 entfristete Stellen

    Dortmund: 55 entfristete Stellen

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    Seit Jahren stellen Musikschullehrkräfte in Dortmund, die über das Projekt JeKi befristete Stunden im Vertrag haben, Anträge auf eine Entfristung dieser Stunden. Die Anträge wurden vom Personalamt beantwortet mit der höflichen Feststellung, Entfristungen seien »zur Zeit nicht vorgesehen«. Gerne könne man sich aber erneut an das Personalamt wenden, wenn solche Entfristungen dann irgendwann einmal anstünden.

    Für Jemanden, der seinen Lebensunterhalt gänzlich an der Musikschule verdient, neben dem normalen Instrumentalunterricht auf Jugend Musiziert Niveau (bis Bundeswettbewerb!) JeKi Unterricht mit bis zu 7 Schülern pro Gruppe, Ensemble Kunterbunt Leitung, die Organisation von oft mehr als einer Grundschule macht und dabei ständig ein offenes Ohr für neue Unterrichtsformen hat, um die Musikschule billiger für die Stadt zu machen, ist so eine Antwort gelinde gesagt nicht das, was sie/er sich erhofft hat.

    Erhofft hatten wir uns einen Dialog. Als ich bei der Güteverhandlung den Aushang sah »V. ./. Stadt Dortmund« – war ich auf der einen Seite etwas stolz, ich fühlte mich wie David gegen Goliath, auf der anderen Seite stimmte aber das »gegen« nicht. Ich habe nicht GEGEN die Stadt geklagt, sondern DAFÜR: für lange Zeit bei dieser Stadt zu arbeiten, weil ich meine Arbeit gerne mache und die Sicherheit haben wollte, sie noch lange machen zu dürfen. Ich denke, so ging es vielen von uns, die sich schlussendlich gezwungen sahen, über Verdi Klage einzureichen.

    »Wir«, das waren 15 Musikschullehreinnen/-lehrer mit befristeten Stunden an der städtischen Musikschule Dortmund. Ich habe mit einigen gesprochen, die unsicher waren, sich anzuschließen. Aus Angst, hinterher gar nichts mehr zu haben, nicht mal eine befristete Stelle. Das ist ein Lebensgefühl, wie man es niemandem wünscht – man kann ja immer nur für ein Jahr leben! Überhaupt eine dieser seltenen, vom Aussterben bedrohten TvÖD-Stellen mal für ein Jahr besessen zu haben, ist für viele Musiker schon etwas Besonderes. Das aufs Spiel zu setzen erfordert Mut. Aber ein Leben mit Familie, mit Kindern und mit einer Miete, die regelmäßig gezahlt werden muss, das kann man mit ständigen Jahresbefristungen nicht verwirklichen.

    Die Stadt hat nun letztlich einer Entfristung zugestimmt, weil sie weitere Klagen erwartet und für eine befristete Weiterbeschäftigung keine juristischen Chancen gesehen hat.

    Das Ergebnis: 55 angestellte Musikschullehrerinnen/-lehrer bekommen ihre Stunden entfristet!
    Der Mut zu klagen hat sich gelohnt.

    N. V.

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    Weitere Informationen in einem Artikel der RuhrNachrichten (begrenzter Zugang).