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    Miteinander, das ist der Kern

    Miteinander, das ist der Kern

    Ina Finger, Musikschulleiterin Friedrichshain-Kreuzberg
    zum Cellojahr und zur Situation der Berliner Musikschulen

    Das gemeinsam mit dem Landesmusikrat und dem Senat für Berlin ausgerufene Cellojahr verbindet bundesweit – beflügelt es auch die Musikschulen?

    Fachgruppe Musik der ver.di Berlin/Brandenburg Gabi Senft Ina Finger

    INA FINGER: Als Cellistin habe ich mich natürlich stark gemacht fürs Cellojahr. Das ist ein Instrument, das über Jahrhunderte hinweg eine grandiose Entwicklung genommen hat. Zu Recht ist es jetzt das Instrument des Jahres 2018. Als Musikschulleiterin freut mich, welchen Einfluss dieses Cellojahr auf uns hat. Denn in den Musikschulen – so auch bei uns – haben sich Cello-Ensembles gebildet, die proben und sich auf Auftritte vorbereiten. Das ist schon etwas Besonderes, weil der (musik) schulische Alltag kaum Raum lässt, im Ensemble zu spielen. Jetzt rückt dieses Ensemblespiel über das Cello in den Fokus. Für mich ist es das, was eine Musikschule ausmacht. Wir wollen Kinder anleiten, miteinander zu musizieren. Das wollen wir, das ist der Kern.

    Allerdings sind die Bedingungen dafür – Sprachrohr berichtete mehrfach – an den Musikschulen nicht die besten.

    INA FINGER: Uns fehlen generell Räume und Menschen. Auch wenn wir selbst mit zwei eigenen Häusern noch privilegiert sind, wurden die Liegenschaften für die Musikschulen jedoch über Jahrzehnte heruntergefahren. Einige haben gar keine für den musikalischen Unterricht, geschweige denn fürs Ensemblespiel geeigneten Räume mit entsprechender Akustik mehr. Nach dem Zufallsprinzip sind zudem Stellen weggefallen oder wurden nicht neu besetzt.
    Festanstellungen, die einen kontinuierlichen Musikschulbetrieb ermöglichen, gibt es viel zu wenige. Und Honorarkräfte sind trotz bester Qualifikation schlecht bezahlt und mit unnötiger Bürokratie belastet.

    Das soll sich jetzt ändern. Die Musikschullehrkräfte und viele Verbündete – so auch ver.di – machten mit fantasievollen Aktionen seit langem auf sich aufmerksam. Sie haben die Bereitschaft des Senats zu Tarifgesprächen erkämpft und die Zusage für 20 Prozent Festanstellungen in den nächsten Jahren. Zudem gibt es aus dem Haushaltsplan mehr Zuwendungen für die Musikschulen.

    INA FINGER: All das stellt für uns einen Quantensprung dar. Auch wenn es eine Weile dauern wird, bis der jahrelange Abbau aufgeholt ist. Doch die jetzige Zuordnung der Musikschulen zum Kulturbereich des Senats inklusive neuer Zielsetzung ist hilfreich. Musikschule ist nicht irgendeine kleine, zu unterschätzende Partnerin, sondern integraler Bestandteil des Bildungssystems. Da brauchen wir Augenhöhe. Ohne Musikschulausbildung kann man Musik oder benachbarte musische Fächer nicht studieren.
    Wir wollen auch mit den Schulen über gemeinsame Lösungen für den Musikunterricht intensiver ins Gespräch kommen. Wir bauen auf offene Ohren und sind bei dem, was jetzt angeschoben ist, optimistisch.

    Interview: Bettina Erdmann

    aus: SPRACHROHR 1/2018