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    Coaching bis ins Koma

    Coaching bis ins Koma

    Ein Kommentar von Anja Bossen

    Vor einiger Zeit stellte der Landesmusikrat Brandenburg (LMRB) eine Große Anfrage an die Landesregierung zum Konzept »Kulturelle Bildung«, das im Juni 2012 von den Abgeordneten beschlossen worden war. U. a. wurden auch die prekären Arbeitsverhältnisse in der kulturellen Bildung thematisiert: Der LMRB stellte die Frage, wie die Landesregierung die prekäre Arbeitssituation im Kunst- und Kulturbereich bewerte und welche Folgen diese Situation auf die Angebote kultureller Bildung und der Kultur hätte.

    Die Antwort der Landesregierung dazu:
    »(...) Eine nachhaltige Verbesserung der sozialen Situation in diesem Berufszweig ist in jedem Fall nur durch das Engagement von vielen Beteiligten auf allen Ebenen und in verschiedenen Sektoren zu erreichen. In diesem Sinne wird beispielsweise noch in diesem Jahr im Land Brandenburg eine zentrale Beratungsstelle für kultur- und kreativschaffende Akteure eingerichtet (...) Die Einrichtung wird zeitgemäße, branchenspezifische Coaching-, Qualifizierungs- und Beratungsangebote anbieten, die vor allem auch dazu beitragen sollen, dass die in Kultur und Kunst Tätigen wirtschaftlich mehr aus ihrem Schaffen ziehen und angemessen Einnahmen erzielen können.«

    Wie bitte?
    Beratung und Coaching nach dem Motto »Jeder ist seines Glückes Schmied« als Antwort auf prekäre Arbeitsverhältnisse, die von der Landesregierung maßgeblich mit verschuldet sind? Als Antwort damit auch für die Musikschullehrkräfte, die bei noch so viel Beratung und Coaching überhaupt keinen Einfluss auf die Honorarhöhe an den Musikschulen haben?

    So viel Chuzpe lässt nur einen Schluss zu: Dass die Regierung weiterhin nicht willens ist, irgendetwas Substanzielles zur Verbesserung der Situation beizutragen.

    Einmal mehr eine deutliche (Herab-)Würdigung der unverzichtbaren und gesellschaftlich unglaublich wichtigen Musikschullehrerinnen und -lehrer.

    aus: KUNSTUNDKULTUR 3/2015