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    Offener Brief: »JeKits« – große Probleme ungelöst!

    Offener Brief: »JeKits« – große Probleme ungelöst!

    Stellungnahme des Landesfachgruppenvorstand Musik NRW vom 15. März 2015 zur bevorstehenden Umwandlung des Projekts »JeKi« in »JeKits«

    Sehr geehrte Frau Ministerin,
    sehr geehrte Damen und Herren,

    der Landesfachgruppenvorstand Musik in ver.di NRW möchte mit diesem Schreiben Stellung nehmen zu der bevorstehenden Umwandlung des Projekts »JeKi – Jedem Kind ein Instrument« in »JeKits – Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen«.

    Wir sehen bei der Umsetzung große Probleme auf die Musik- und Grundschulen zukommen, insbesondere im Ruhrgebiet:

    1. Mit der Streichung des instrumentalen Gruppenunterrichts in der 3. und 4. Klasse sind im Ruhrgebiet akut Arbeitsplätze gefährdet. Für viele Musikschullehrkräfte, insbesondere Teilzeitbeschäftigte und Honorarkräfte, bedeutet dies die Nichtverlängerung zeitlich befristeter Verträge, in vielen Fällen sogar Arbeitslosigkeit. Es ist zu befürchten, dass sich die zum Teil extrem schlechten Arbeitsbedingungen, unter denen Musikschulkräfte nach zehn Jahren JeKi immer noch zu leiden haben, wie geteilte Dienste, nicht abgegoltene Fahrtzeiten oder für den Instrumentalunterricht völlig ungeeignete Unterrichtsräume, auch im neu aufgelegten JeKits-Projekt nicht verbessern werden.

    2. Bis heute gibt es für das nach den Sommerferien startende JeKits überhaupt keine Lehrpläne oder Unterrichtsmaterialien, die die Voraussetzung für eine Qualitätssicherung wären, und für das zweite Jahr fehlt ein Curriculum. Die Pädagogen können sich daher überhaupt nicht angemessen auf die bevorstehende Arbeit vorbereiten.

    3. Das breit angelegte Musikalisierungsprogramm, das insbesondere Kindern aus bildungsfernen Schichten eine Möglichkeit eröffnen wollte, am kulturellen Geschehen aktiv teilnehmen zu können, verliert mit der Reduzierung auf zwei Jahre in der sozialen Zielsetzung wesentlich an Wirkung, da der Übergang in die Musikschule weiterhin mit höheren Kosten verbunden ist, die von vielen nicht erbracht werden können – vom bürokratischen Aufwand ganz zu schweigen. Um die Fortsetzung der durch JeKits eröffneten Perspektiven zu ermöglichen, wäre eine Kostenreduzierung des Instrumentalunterrichtes für diesen Personenkreis dringend erforderlich. Hier stellt sich die Frage, wer die finanziellen Mittel dafür zur Verfügung stellt; die unter Sparzwang leidenden Kommunen können dies sicher nicht.

    4. Der seitens der JeKits-Stiftung formulierte wesentliche Teil des zentralen Unterrichtsziels lautet: »Im Mittelpunkt des Programms steht das gemeinsame Musizieren oder Tanzen verbunden mit dem fundierten Einstieg in das Instrumentalspiel ( ... ).« So, wie das Projekt angelegt ist, kann dieses Ziel überhaupt nicht verwirklicht werden. Bei einer Gruppengröße von mindestens sechs Kindern und einer Unterrichtseinheit von 45 Minuten kann unter musikpädagogischen Aspekten nicht von einem »fundierten Einstieg« gesprochen werden, sondern lediglich von einer ersten Erfahrung.

    Neben den oben aufgeführten Kritikpunkten an der geplanten Durchführung von JeKits haben wir noch weitere grundsätzliche pädagogische und soziale Einwände.
    Diese alle auszuführen, würde den Rahmen dieses Schreibens sprengen.

    Für weiterführende Gespräche stehen wir gerne zur Verfügung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Landesbezirksfachgruppenvorstand
    Musik in ver.di NRW

    gez. Ute Völker
    Landesbezirksfachgruppenvorsitzende

    gez. Dirk Beyer
    Landesbezirksfachbereichssekretär

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    Die Stellungnahme des Fachgruppenvorstandes Musik NRW vom 15. März 2015 kann als pdf-Datei hier geladen werden.

    Offener Brief an

    • Ministerin Ute Schäfer
      Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW
    • Ministerin Sylvia Löhrmann
      Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW
    • Parteien im Landtag NRW
    • Kulturausschuss im Landtag NRW
    • Städte- und Gemeindetag NRW
    • LVdM NRW
    • JeKits-Stiftung
    • Landeselternkonferenz
    • Presse