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    Petra Stalz

    Petra Stalz

    Mitglied in der Bundestarifkommission für den öffentlichen Dienst

    Jazz ist meine Richtung

    Ich bin in meinem Alltag immer in Bewegung. Um neun Uhr morgens geht's los, erst mal in meinem Arbeitszimmer zu Hause, wo ich e-Mails aus der Musikschule beantworte, Veranstaltungen organisiere, Stunden vorbereite, Noten arrangiere, Elternbriefe schreibe... Ich unterrichte an der Musikschule in Velbert bei Wuppertal Violine und Viola, habe dort eine feste Stelle. Bundesweit müssen leider viele Musikschullehrerinnen und -lehrer auf Honorarbasis arbeiten. Das muss sich ändern. Deshalb bin ich auch in der Bundestarifkommission für den öffentlichen Dienst aktiv und vertrete dort unsere Berufsgruppe.

    Fachgruppe Musik der ver.di privat Petra Stalz

    Von halb eins bis halb zwei gebe ich an verschiedenen Grundschulen im Rahmen unserer Schulkooperation JeKi-Stunden für Kinder aus den zweiten Klassen. Die Abkürzung steht in NRW für »Jedem Kind ein Instrument«, das Land bezuschusst die Aktion.

    Dann folgt eine unbezahlte Unterbrechung der Arbeit, wodurch ein geteilter Dienst entsteht. Denn durch den Ganztagsunterricht können die Musikschüler erst ab 15 Uhr in die Musikschule kommen. Ich unterrichte dort alle, von Erstklässlern bis zu Senioren, gebe an den verschiedenen Standorten der Schule Einzel-, Gruppen- und Ensembleunterricht. Bis 20 Uhr bin ich so in der Stadt unterwegs. Es sind mehr als 30, 35 Schülerinnen und Schüler in der Woche. Sie haben Lust darauf, Musik zu machen. Aber auch besonders Begabte sind dabei, die Musik studieren wollen. In dieser Vielfalt liegt für mich der besondere Reiz meines Berufs.

    Der Deal für die Pubertät

    Eine Stunde sieht zum Beispiel so aus: Lisa ist zwölf, sie spielt gern Violine, ist auch im Orchester der Musikschule dabei. Sie kommt, wir reden ein bisschen, stimmen die Instrumente. Dann spielt sie mir vor, was sie zu Hause geübt hat. Wir besprechen das, ich ­erkläre ihr ein technisches Problem. Oder: Ich habe neue Stücke für sie mitgebracht, etwa Klassik, Filmmusik und Popsongs. Ich spiele ihr etwas vor oder sie versucht, es vom Blatt zu spielen. Dann sucht sie sich eins davon aus. Jede Stunde ist anders, so wie jede Schülerin, jeder Schüler anders ist. Am wichtigsten ist mir das Vertrauensverhältnis zu allen. Das Üben ist natürlich ein Thema. Im Durchschnitt gilt: 20 bis 30 Minuten am Tag. In der Pubertät haben viele keinen Bock mehr darauf. Ich mache dann manchmal einen Deal mit ihnen: Eine Zeitlang verzichten wir aufs Üben. So bringe ich sie über die Pubertät, und sie bleiben dem Instrument treu.

    Seit 1989 arbeite ich an der Musikschule in Velbert. An der Musikhochschule Wuppertal habe ich Instrumentalpädagogik für Violine und Viola studiert und damals schon mit drei Kommilitoninnen das Streichquartett »Indigo« gegründet, das immer noch besteht. Wir spielen Crossover: Jazz und Rock, Pop, Heavy Metal. Klassik eher weniger. Jazz ist meine Richtung, auch experimentelle Musik. Wir sind oft mit Bands zusammen auf Tour, spielen auf Galas und haben sogar schon in Shanghai gastiert. Dort haben wir mit einem traditionellen chinesischen Orchester ­gespielt - und viel voneinander gelernt. (siehe auch: www.indigo-streichquartett.de)

    Protokoll: Claudia von Zglinicki

    Porträt aus »publik« 8/2017