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    Zur Situation von Honorarkräften

    Zur Situation von Honorarkräften

    Zur Einkommenssituation informiert der Landesverband Hessen der Fachgruppe Musik im März 2010: Wenn man das durchschnittliche Stundenhonorar einer freiberuflichen Lehrkraft an Musikschulen in Hessen hochrechnet, dann ergibt sich: Das durchschnittliche Einkommen einer Musiklehrerin oder eines Musiklehrers entspricht dem, was vollständig ungelernte Kräfte im öffentlichen Dienst verdienen. Daher fordern wir ...

    Spitzweg, Der arme Poet (bearbeitet) | ver.di Fachgruppe Musik Carl Spitzweg, Der arme Poet (bearbeitet)  – »Nach wie vor existiert ein unseliger Mythos vom armen, aber zufriedenen Musiker, der sich mit Privatstunden über Wasser hält« (SDZ 6/06: Musiker, Schauspieler und Maler verdienen kaum genug zum Leben und sind dennoch nicht unzufrieden …)

    Kennt ihr den?

    Max und Lisa diskutieren, was sie mit Ihrem Weihnachtsgeld machen wollen.

    Max: »Ich arbeite bei BMW. Vom Weihnachtsgeld kaufe ich mir ein Auto und fahre von dem Rest in den Urlaub.«

    Lisa: »Ich arbeite bei Bosch. Vom Weihnachtsgeld lasse ich mir einen Swimmingpool bauen und mache mit dem Rest eine Weltreise.«

    Darauf ich: »Ich bin angestellte Klavierlehrerin. Vom Weihnachtsgeld kaufe ich mir einen Rollkragenpullover.« Max und Lisa sehen mich erstaunt an: »Und der Rest?« Darauf ich: »Den Rest geben mir meine Eltern dazu.«

    … Da kommt mein Kollege mit Honorarvertrag an unserer Musikschule vorbei. Er hat das Gespräch zufällig mitbekommen: »Ich nehme die Packung «merci«-Schokolade, die mir mein Lieblingsschüler immer an Weihnachten schenkt und gucke bei meinen Nachbarn das Weihnachtsmärchen im Fernsehen an (ich habe nämlich keinen eigenen Fernseher!).«

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    Wenn man das durchschnittliche Stundenhonorar einer freiberuflichen Lehrkraft an Musikschulen in Hessen hochrechnet, dann ergibt sich: Das durchschnittliche Einkommen einer Musiklehrerin oder eines Musiklehrers entspricht dem, was vollständig ungelernte Kräfte im öffentlichen Dienst verdienen (siehe in der beigefügten pdf-Datei)
    Hierbei bleiben das 13. Monatsgehalt und zusätzliche Arbeitgeber-Beiträge sowie Vorteile, wie Betriebsrente und Zusatzversorgungskasse, unberücksichtigt. Dafür können mindesten 70 Euro monatlich veranschlagt werden, das ist also eine sofortige Benachteiligung von ca. 630 Euro Monat für Monat.

    Dabei bringt der Freiberuflichkeits-Status zum Ausgleich gegenüber einer Festanstellung für den einzelnen Musiklehrer/Musiker in Voll -oder Teilzeit überhaupt keine Vorteile.

    Beim Festangestellten wäre nach spätestens 15 Jahren die TVöD E 9 Stufe 6 (3.423,37 Euro erreicht, also hat sich bei jahrelanger Ausführung der gleichen HonorarsteIle die Benachteiligung immer weiter potenziert: Sie beträgt dann ca. 1.600 Euro im Monat.

    Gehaltssteigerung entsprechend der wachsenden Erfahrung und Effektivität im Job sind kaum zu bekommen, weil Freiberufler zusätzlich noch von den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst abgekoppelt sind. Das heißt, sie müssen sich mühsam selbst um Angleichungen an Inflationsrate und längst fällige Honorarerhöhungen bemühen, was oftmals – falls überhaupt – nur mit jahrzehntelanger Verspätung erfolgt.

    In der Realität unserer Gesellschaft übernimmt der Musikunterricht aber konkrete Aufgaben im Bildungskanon und bei der Sicherung des sozialen Friedens. Als Musiklehrerinnen und Musiklehrer verfügen wir über eine künstlerisch-pädagogische Doppelqualifikation, erworben durch anspruchsvolles Hochschulstudium und vorausgegangene lange Jahre freiwilligen und ausdauernden Übens. Wir sind durch unsere Kreativität fähig und geeignet, auf gesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren und entwickeln bei Bedarf neue Unterrichtsformen und Vernetzungen (JeKi, PrimaCanta etc.).

    Unbedingt müssen die Rahmenbedingungen für die Arbeit geeignet sein!

    • Daher fordert die Gewerkschaft ver.di:

      Musikschulen gehören als Teil des Bildungssystems in öffentliche Hände. Das bedeutet, dass diese wichtige Bildungsarbeit nicht von freien Mitarbeitern mehr oder weniger gut erledigt werden soll, sondern dass eine Umgebung geschaffen wird, in der tariflich bezahlte Arbeit mit Absicherungen für Alter, Krankheit sowie Mutterschutz die Qualität der Musikschulen für die Zukunft sichert.

    Das Faltblatt der Landesfachgruppe Musik in Hessen zur Einkommenssituation von Honorarkräften kann als pdf-Datei hier geladen werden: