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    Etwas haben wollen und doch nicht

    Etwas haben wollen und doch nicht

    Hauptstadt ohne Musikschulen?

    Es wird immer weiter gespart

    Das Land Berlin hat im Doppelhaushalt 2014/2015 jährlich 2,5 Millionen Euro mehr Geld für seine Musikschulen eingestellt. Das sind statistisch betrachtet pro Musikschule jährlich knapp 210.000 Euro, ein hübsches Sümmchen. Dieses Geld allerdings kommt den Musikschullehrkräften höchstens indirekt zugute, denn davon soll zwar der Versorgungsgrad der Bevölkerung mit Musikunterricht erhöht werden, doch nicht die Honorare, die sich in einigen Bereichen in unterirdischen Regionen bewegen. Auch mehr Festanstellungen für die eintausendachthundert, zu über 90 Prozent als Honorarkräfte beschäftigten Berliner Lehrkräfte wurden nur in verschwindend geringem Umfang geschaffen und sind zudem auf das Jahr 2015 befristet.

    Immerhin hat ein erhöhter Versorgungsgrad der Bevölkerung zur Folge, dass zumindest die Stundendeputate der Lehrkräfte erhöht werden können. Denkt man. Doch ereilte im Januar das Kollegium der Musikschule Steglitz-Zehlendorf die Hiobsbotschaft, dass der Bezirk eine Haushaltssperre erlassen hat, da im Bezirk noch mehr gespart werden müsse. Für die Lehrkräfte bedeutet das: Aufnahmestopp, bis auf weiteres keine neuen Vertragsabschlüsse trotz Wartelisten.

    Genauso ergeht es den Lehrkräften der  Musikschule Pankow. Für die ohnehin schon von verspäteten Honorarzahlungen wegen nicht funktionsfähiger Verwaltungs-Software gebeutelten Berliner Lehrkräfte ist das eine Katastrophe, denn sie können selbst im Fall von Schülerkündigungen keine neuen Schüler aufnehmen. Bereits jetzt weichen viele Eltern, verunsichert und genervt von Wartelisten und Aufnahmestopps,  auf private Musikschulen aus. Auch das ist eine Katastrophe für die Lehrkräfte, denn an privaten Musikschulen verdienen sie meist noch weniger als an öffentlichen.

    Die Berliner Musikschulen haben inzwischen einen Zustand erreicht, bei dem man sich fragen muss, ob es nicht ehrlicher wäre, dass das Land Berlin sich von seinen Musikschulen gänzlich verabschiedet, denn man kann nicht etwas haben und gleichzeitig nicht haben wollen. Für die Lehrkräfte wird es indes wieder mal Zeit für den Zusatz-Job an der Supermarktkasse. Wie wäre es mit einer bundesweiten solidarischen Aktion aller am »Tag der Musik« 2015 Beteiligten zugunsten der Musikschullehrerinnen und -lehrer aus Steglitz-Zehlendorf und Pankow? Denn in der Hauptstadt kann künftig wohl weder wirklich kulturelles Erbe geschützt, noch musikalische Vielfalt gelebt und erst recht keine Zukunft gebaut werden.

    Franziska Kreutzer
    amtierende Vorsitzende
    der Fachgruppe Musik Berlin/Brandenburg

    (übernommen aus dem »Sprachrohr« 01/2015 der ver.di Berlin/Brandenburg)