Lehrbeauftragte

    Frankfurter Resolution

    Frankfurter Resolution

    Präambel

    Lehraufträge an deutschen Musikhochschulen sollten ursprünglich der Ergänzung des Lehrangebots dienen. Die Realität sieht jedoch anders aus: Weit über die Hälfte des Unterrichts wird – bereits seit Jahren – von Lehrbeauftragten erteilt, so dass nur noch von einer Sicherstellung des Lehrangebots durch Lehraufträge gesprochen werden kann. Diese nebenamtlichen Hochschullehrer verdienen nur einen Bruchteil ihrer fest angestellten Kollegen und sind arbeitsrechtlich in keiner Weise abgesichert.
    Zahlreiche Gespräche mit verantwortlichen Politikern und den Hochschulleitungen über Veränderungen der unhaltbaren Situation der Lehrbeauftragten haben zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt.

    Um den dringend notwendigen bundesweiten Diskussionsprozess in Gang zu setzen, haben die Lehrbeauftragtenvertreter aller deutschen Musikhochschulen auf ihrer ersten Bundeskonferenz die »Frankfurter Resolution« verabschiedet.

    1. Die Fakten

    Lehrbeauftragte

    • leisten in der Regel die gleiche Arbeit wie fest angestellte Lehrende.
    • tragen die gleiche Verantwortung für ihre Studierenden.
    • stellen einen großen, oft entscheidenden Anteil des Unterrichtsangebots sicher (bis über 60 Prozent der Lehre).

    Lehrbeauftragte

    • erhalten ca. ein Drittel des Stundensatzes ihrer fest angestellten Kollegen.
    • erhalten keine Tarifsteigerungen wie im öffentlichen Dienst üblich. Ihre Honorare liegen an den meisten Hochschulen auf dem Niveau der 70-er / 80-er Jahre.

    Lehraufträge

    • können zu jedem Semester fristlos und ohne Angabe von Gründen beendet werden.

    Lehrbeauftragte

    • erhalten keine Honorarfortzahlung im Krankheitsfall.
    • sind weder am Arbeitsplatz noch auf dem Weg dorthin Unfall versichert.
    • genießen keinen Mutterschutz.
    • müssen an manchen Hochschulen Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zahlen, ohne jemals deren Leistungen in Anspruch nehmen zu können.
    • erhalten weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld.

    Lehrbeauftragte

    • haben keine Planungssicherheit in Hinsicht auf die Höhe ihres Deputats.
    • sind in einigen Bundesländern nicht angemessen (mit Stimmrecht) in den Hochschulgremien vertreten.
    • sind in vielen Bundesländern nur Angehörige, nicht Mitglieder der Hochschule und haben damit weniger Rechte.

    Die Struktur der Lehraufträge

    • gefährdet die Qualität und Kontinuität der Lehre an den Musikhochschulen.
    • verschuldet den Rückzug hoch qualifizierter Musiker und Wissenschaftler aus der Lehre.

    2. Die Forderungen

    Lehrbeauftragte fordern

    • feste Anstellungsverträge für alle,
      - die den Kernbereich der Lehre abdecken,
      - vergleichbare Aufgaben wie hauptamtliche Dozenten wahrnehmen,
      - seit Jahren an der Hochschule unterrichten,
      - eine hohe Lehrverpflichtung haben.
    • vergleichbare Honorarsätze für Lehraufträge,
      die weiterhin zur flexiblen Handhabung des Lehrangebots erforderlich sind.

    Lehrbeauftragte fordern

    • sofortige deutliche Erhöhung der Bezüge
      als Ausgleich für die fehlenden Tariferhöhungen der letzten Jahrzehnte.
    • Anpassung an die Tarifsteigerungen
      des öffentlichen Dienstes.
    • gesetzlich verankerte Vertretung
      in den Hochschulgremien.
    • Anerkennung der Lehrbeauftragten
      als Mitglieder der Hochschule.
    • vorrangige Berücksichtigung
      von Lehrbeauftragten bei der Besetzung von Mittelbaustellen.

    Wir Lehrbeauftragte fordern von den Verantwortlichen in der Politik, 
    die notwendigen finanziellen Mittel für die Musikhochschulen zur Verfügung zu stellen.

    Wir appellieren an die Hochschulleitungen,
    unsere Forderungen nicht nur zu unterstützen, sondern gemeinsam mit uns gegenüber der Politik geltend zu machen.

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    Die »Frankfurter Resolution« der Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen kann als pdf-Datei hier geladen werden.