Fragen an die Politik

    Öffentliche Musikschulen in Gefahr

    Öffentliche Musikschulen in Gefahr

    Brief an die Politik

    Berlin, 6. Mai 2013: In einem Brief an die Vorsitzenden der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien, an die Kultusminister aller Bundesländer, die Bundesministerien für Bildung und Forschung sowie für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und an die Präsidenten des Deutschen Städtetags sowie des Deutscher Städte- und Gemeindebund wendet sich der Vorsitzende der ver.di-Fachgruppe Musik, Stefan Gretsch, an die Politik: Die soziale und finanzielle Situation der Musikschullehrkräfte hat sich dramatisch verschlechtert – wir sehen mittlerweile einen ganzen Berufsstand in Gefahr, mit negativen Folgen für die künftige Qualität der musikalischen Bildung.
     
    Der Brief im Wortlaut:
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    Öffentliche Musikschulen in Gefahr

    Die Lage der Musikschullehrkräfte ist seit Jahren desolat und verschärft sich zunehmend. Wir hatten eine erste Studie dazu im Jahr 2008 vorgelegt, die Ergebnisse waren desaströs. Eine erneute Umfrage unter Musikschullehrkräften und Privatmusiklehrern – an der dreimal mehr Musikschullehrkräfte als 2008 teilgenommen haben – hat ergeben, dass sich die soziale und finanzielle Situation der Musikpädagogen seither weiter verschärft und dramatisch verschlechtert hat.

    Die neue Umfrage verdeutlicht:

    • Der Anteil der prekär beschäftigten Musikschullehrkräfte hat in allen Bundesländern weiter zugenommen und liegt inzwischen je nach Bundesland zwischen 50 und 94 Prozent. Diese Honorarkräfte verfügen über annähernd keine soziale Absicherung.
    • Das jährliche Einkommen der Honorarkräfte an Musikschulen ist gegenüber 2008 weiter gesunken und beträgt mittlerweile nur noch 12.403 Euro. Damit ist die Altersarmut der Lehrkräfte vorprogrammiert. Die hoch qualifizierten Lehrkräfte gehören damit zum Prekariat der »Bildungsgesellschaft«. Eine Trendwende ist nicht absehbar, obwohl die musikalische Bildung seitens der Politik stets für gesellschaftlich höchst wichtig erachtet wird.
    • Die prekäre Situation der Lehrkräfte wird dadurch weiter verschärft, dass durch »G8« und die Ausweitung der Ganztagsschulen das Zeitfenster, in dem die Lehrkräfte unterrichten können, immer kleiner wird.
    • Der Anteil der Lehrkräfte, die in Kooperation mit allgemein bildenden Schulen unterrichten, hat gegenüber 2008 um 10 Prozent zugenommen, d. h., Kooperationen haben sich somit weiter etabliert. Besorgniserregend dabei ist allerdings, dass Kooperationen zunehmend den schulischen Musikunterricht ersetzen statt ihn zu ergänzen, und dass noch immer über die Hälfte der Musikschullehrkräfte nicht an einer vom Arbeitgeber finanzierten Qualifikationsmaßnahme für den Kooperations-Unterricht teilnehmen kann.
    • 30 Prozent der Lehrkräfte sind gezwungen, weniger zu arbeiten, als sie gern würden, da ihnen die Musikschule nicht mehr Stunden anbietet. Dies wirkt sich auch auf ihr Einkommen negativ aus.

    Alle Ergebnisse der Studie können unter http://musik.verdi.de/musikschulen/informationen/umfrage-2012/ergebnisse abgerufen werden.

    Wir sehen mittlerweile einen ganzen Berufsstand in Gefahr – mit negativen Folgen für die künftige Qualität der musikalischen Bildung. Ein Beruf, der einstmals ein gesichertes und regelmäßiges Einkommen sowie eine soziale Absicherung garantierte, wird durch die permanente Unterfinanzierung der Kommunen systematisch demontiert.

    Wir bitten Sie, dem Verschwinden des Berufes »Musikschullehrer« nicht tatenlos zuzusehen. Wir fordern Sie auf, in Ihrem Zuständigkeitsbereich Maßnahmen zu ergreifen, die diesem Prozess entgegensteuern. Gerne sind wir zu einem Gespräch bereit, um Ihnen unsere Vorstellungen zu erläutern.

    Mit freundlichen Grüßen

    gez. Stefan Gretsch
    Vorsitzender der Fachgruppe Musik

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    Der Brief vom 6. Mai 2013 kann als pdf-Datei hier geladen werden:

    Die Antworten werden wir hier im Internet dokumentieren.